Warum sich Männer in schicke Oldtimer verlieben (NWZ vom 28.05.2018)

Christoph Kiefer

Friedrich-Carl Freiherr von Ketteler (links) und NWZ-Redakteur Christoph Kiefer in einem Triumph Gloria 6
Bild: Martin Remmers

Als Beifahrer erlebte NWZ-Redakteur Christoph Kiefer seine erste Wertungsfahrt in einem Oldtimer. Rund ging es in einem Triumph Gloria 6 Southern Cross, Baujahr 1935.

Oldenburg „Vorsicht beim Einsteigen! Wenn man erst mal drin sitzt, dann geht’s.“ – Der Tipp von Friedrich-Carl Freiherr von Ketteler kam genau richtig. Erst die langen Beinen ganz in den Fußraum ausstrecken, bevor ich mich ins Autos schlängeln und auf dem Sitz niederlassen kann.

Ist das angenehm! Zum ersten Mal in meinem Leben nehme ich als Beisitzer in einem Oldtimer an einem Wertungsfahren, dem City Grand Prix am Freitagabend, teil. Und in was für einem Oldtimer! Der Triumph Gloria 6 Southern Cross, Baujahr 1935, ist ein todschicker britischer Sportwagen. Mit Cabrio-Feeling obendrauf.

„Von diesem Fahrzeug wurden wahrscheinlich insgesamt nur zwölf Exemplare gebaut, von denen noch fünf existieren dürften“, sagte der stolze Besitzer. „Der britische Rennfahrer Tony Rolt hat in diesem Wagen 1936 das Rennen von Spa gewonnen“, erklärt der „Triumph“-Fan und vermisst wohl mein Kenner-Nicken, das an dieser Stelle nötig wäre.

Ich kann meine Augen kaum lösen von den schwungvollen Linien der dunkelgrün lackierten Karosserie. Armaturen, Steuerknüppel, Sitze – alles fühlt sich edel und wertig an. Hunderte Augenpaare sind auf uns gerichtet, als der Wagen auf die Startrampe fährt. Moderator Johannes Hübner, der über manche Oldtimer wohl mehr weiß als deren Besitzer selbst, stellt übers Mikrofon in rühmenden Worten unser edles Renngefährt vor. Ich verstehe, dass sich die Besitzer in diesem Moment nicht nur in der Abendsonne wärmen…

Der Parcours führt über Lange Straße und Bergstraße zum Wall – ohne Servolenkung gar nicht so leicht. Auf dem Wall gibt Freiherr von Ketteler Gas – wie Tempo 70 fühlt sich das an. „Wir fahren 45“, klärt mich der Fahrer auf.

Die Zuschauer klatschen, zücken ihre Smartphone-Kameras. Auf der Huntestraße, mit dem Schloss im Blickfeld, stehen die Zuschauer dicht gedrängt. Ihr Beifall gilt den vielen wunderschönen Oldtimern. Angefeuert werden muss an diesem Abend niemand. Auf eine möglichst genaue Einhaltung der vorgegebenen Rundenzeit kommt es an – wer zu langsam oder zu schnell ist, kassiert Strafpunkte. Freiherr von Ketteler liest die Geschwindigkeit von einer App auf seinem Smartphone ab. „Der Tacho geht im Moment nicht richtig“, sagt er entschuldigend. Soviel moderne Technik darf sein.

Nach gut 20 Minuten ist der erste Durchgang des City Grand Prix vorbei. Wir biegen ins Fahrerlager auf dem Schlossplatz ab. Beim Ausstieg fällt mir der Tipp von vorhin ein. Die Beine ganz zum Schluss… Ich habe keine Eile mit dem Rauskommen. So viel Spaß hat mir Autofahren schon lange nicht mehr gemacht.